Tagestour in den Thüringer Wald (Oktober 2013)

Strecke

Das Streckenprofil, Länge: ca. 135 km

Schon lange spukte der Thüringer Wald als Revier für ausgedehnte Motorradtouren in meinem Kopf herum. Eine besuchte Hochzeit im Raum Sonneberg festigte den Plan, irgendwann diese genial kurvige Gegend unter die Räder zu nehmen. Mit Hilfe einiger User aus dem NC700-Forum gabs schon einen groben Streckenplan. Dank motoplaner.de wurde die Tour dann komplett ausgebaut und lag seither in der Schublade…

Höhenprofil

Das Höhenprofil, tiefster Punkt: ca. 320 m, höchster Punkt ca. 960 m ü. NN

3. Oktober – Tag der deutschen Einheit. Feiertag, Wetterbericht sieht gut aus. Chance am Schopf gepackt und die Hühner gesattelt – auf nach Thüringen!! Was passt am Tag der Einheit besser, als als Exil-Sachse, der nun im „Ländle“ Baden-Württemberg wohnt, einen Tagstrip ins wunderschöne Thüringen zu machen. Gelebte Wiedervereinigung!

Die Temperaturen waren unterirdisch. Früh war Raureif auf den Autoscheiben. Also wartete ich noch etwas, bis die Sonne hoch genug stand und mehr Kraft hatte. Gegen 9:30 gings bei 4°C Außentemperatur los. Dick eingepackt, Winterhandschuhe und warme Gedanken waren Grundausstattung. Um nicht zu viel Zeit zu verlieren an den eh schon kurzen Tagen im Oktober, ging die Anfahrt über die Autobahnen A81, A7 und A71 (Asche auf mein Haupt…).  Ca. 2 h Anfahrt warens am Ende, kleiner Stau bei Würzburg mit eingerechnet. Bei der Gelegenheit konnte der Motor der NC gleich mal seine Volllasttauglichkeit beweisen. Wenn frei, war Tempo 170 – 185 km/h Dauergast auf dem Tacho. Entsprechend der Verbrauch bei der Ankunft…5,17 l/100 km. Ui.

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erste Pause nach der Autobahn

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die warmen Klamotten können weg

In Meiningen Süd runter von der Bahn und rein ins Vergnügen. Ein paar Kilometer mussten noch über die Landstrasse gespult werden, aber die Hügelketten strahlten schon am Horizont. Da das Thermometer mittlerweile schon knappe 15 °C anzeigte, verschwanden einige dicke Klamotten im Staufach. Auf der B89 gings von Abfahrt Meiningen Süd bis Kloster Veßra, von dort auf die kleinere L1142 Richtung Ratscher, Waldau. Sonderlich spektakulär waren diese Abschnitte noch nicht, es rollt, sanfte Kurven laden ein zum entspannten Wedeln. Hinter Waldau gings dann auf die kleinere Kommunalstrasse K523. Eingebettet im Bibergrund schlängelt man sich hier durch den ersten landschaftlich schönen Ausläufer des südlichen Thüringer Waldes. Meter für Meter rollt man im Höhenprofil nach oben. Absolut entspannt kann man auf perfektem Strassenbelag,  eingefasst von Felsen und Bäumen, die Kurven unter sich hinweggleiten lassen. Der Kopf ist aus, Genießermodus aktiviert.

Bei Einsiedel verlasse ich die Strasse und biege auf die 13% Steigung Richtung Schnett ab. Schöner Strassenbelag und eine handvoll knackige Kurven zaubern ein Lächeln auf das Gesicht. Wäre da nicht die ganze Zeit dieser störende Hintergedanke, dass das Profil der aufgezogenen BT023 hinten eigentlich grenzwertig  StVO-konform ist – wer konnte denn ahnen, dass man im Oktober nochmal so ne Tour schafft! Die Angst eines Rutschers fuhr so in jeder Kurve mit…leider. Kurz vor Schnett gibts auf der linken Seite (bergauf) einen schönen Weitblick auf das bereits durchfahrene Tal, eine tolle Panoramaaussicht. Nur auf den 2 km Anstieg  hat man schon beachtliche 140 Höhenmeter überwunden.

Panorama nach Fehrenbach

Panorama nach Fehrenbach

Hinter Schnett fährt man auf einer offenen Ebene weiter. Zur Rechten hat man einen schönen Ausblick auf die sanften Hügel im Südosten (Fehrenbach). Die Ebene wird schnell abgelöst von einem herrlichen Nadelwaldgebiet. Auf einer schmalen und holprigen Strasse kurvt man durch die Wälder. Hier und da sind Schneisen und erlauben einen herrlichen Fernblick auf Fehrenberg (835 m) und Holzberg (740 m) samt vorgelagertem Tal. Diverse kreuzende Wanderwege drosseln das Reisetempo in unregelmäßigen Abständen. Auch der berühmte Rennsteig trifft hier zum ersten mal auf meinen Weg und wird zum weiteren Begleiter der Tour. Irgendwann endet die schmale Waldstrasse und mündet auf ein breiteres Asphaltband. Hier halte ich mich links und biege dort ein Stück weiter zu einem attraktiven Schlenker Richtung Gießübel ab. Wieder eine knackige Abfahrt, die der Auffahrt vor Schnett in nichts nach steht. 150 Höhenmeter weniger und einige schöne enge Kurven später rollt man in den Ort. Von Gießübel gehts weiter Richtung Neustadt am Rennsteig. Eine absolut geniale Kurvenstrecke liegt direkt hinter Gießübel und schraubt sich wieder links, rechts, links knackig auf die Hochebene bei Neustadt. Genial! Rings um Neustadt verläuft der Rennsteig fast parallel zur Strasse, entsprechend ist hier das Tempo zu drosseln. So hat man aber mehr Zeit, mal wieder in die Ferne schauen zu können.

Hinter Neustadt a. R. könnte man relativ unspektakulär weiter in Richtung Schneekopf / Oberhof rollen. Will ich aber nicht. Also in Allzunah auf die L2650 Richtung Stützerbach abgebogen und auf einer wirklich schmalen Strasse (etwas breiter als ein Auto) bergab ins Tal durch die Landschaft gebügelt. Die Strecke ist gut einsehbar und überrascht hier und da mit nettem Strassenverlauf. Der Strassenbelag wechselt oft und ist teilweise holperig. Nix für straffe Sportler. Hinter Stützerbach gehts auf einer Autobahnbreiten Rampe (L3004) wieder Richtung Himmel. Nach wenigen Kilometern gehts rechts weg Richtung Oberhof. Auf halber Strecke befindet sich aber noch der Schneekopf, mit 978 m der zweithöchste Berg im Thüringer Wald. Nur der Beerberg ist  mit 982m minimal höher und liegt direkt nebenan.

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kurze Pause im Wald, direkt daneben die Landstrasse (bei Neustadt a. Rennsteig)

Bis dahin gehts wieder auf schmalen Strassen querbeet durch den Nadelwald des Bergrückens. Man merkt aber, dass man in tourisch erschlossenere Gebiete kommt. Die Ausflugsbummler in ihren Blechbüchsen nehmen zu, es geht oft nur noch gemütlich durch die Landschaft. Am Schneekopf angekommen, findet man direkt einen größeren Parklatz, um die letzten Meter zum baumlosen Gipfel (Orkanschaden 1946) zu wandern. Dieser Parkplatz ist aber Gebührenpflichtig!! Wer kostengünstiger zum Gipfel möchte und etwas Zeit dabei hat, kann auch schon in Schmücke oder etwas weiter hinter dem Schneekopf-Parkplatz einen Stop machen. Allerdings dauert die Wanderung dann entsprechend länger. Auf dem Gipfel erwartet einen ein neu errichteter Aussichtsturm, der mit einer Plattform auf 1001 m über Meereshöhe einen weiten Ausblick ins Umland erlaubt. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt mit der „Neuen Gehlberger Hütte“. Es kann dort auch übernachtet werden.

Weiter gehts auf der sich schlängelnden  Bergrückenstrasse Richtung Oberhof, dem Thüringischen Wintersportort Nummer 1. Die Strassen werden voller und ich umfahre die Stadt am Stadtrand. Kurz hinter Oberhof findet man das große Wintersportzentrum mit Bob und Rodelstrecke, Skihalle (Langlauf) und Biathlonanlage. Alle Anlagen haben offizielle Weltcup-Freigabe und sind u.a. Trainingszentrum der deutschen Wintersportelite. Die Bobbahn lädt auch zu Touristenfahrten durch den Eiskanal ein – auch im Sommer per Rollenbob!

Hinter Oberhof gehts weiter bergab auf der L1128. Nur 3 km hinter Oberhof lädt ein Parkplatz wieder zum Stop ein. Denn dort befindet sich direkt an der Strasse die Doppelschanzenanlage „Hans-Renner“. Erbaut cum 1960 war sie die größte Schanzenanlage in der DDR und gehört auch heute noch zu einer der größten Skisprungschanzen. Die großere der beiden Schanzen besitzt eine Hillsize von 140 m, die kleinere noch 100 m. Leider waren die beiden Schanzen gerade mitten in der Sanierung, so dass nur viel Kran, mehr Erde und wenig Auslaufhügel zu sehen war… Die Anlage ist FIS zertifiziuert und hat damit auch Weltcup Freigabe. Letzter Weltcup vor Ort war aber bereits 2010.

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Hans-Renner Doppelschanze Oberhof

IMG_2276_2_kleinHinter der Schanze erwartete mich eine lange und kurvige Abfahrt. Auf 10 km legt man über 500 Höhenmeter bergab zurück. Leider befinden sich am Ende der Abfahrt mehrere Ortschaften, die sich wie Kaugummi ziehen und das Vorankommen erheblich erschweren. Da muß man durch… Man könnte nun den kurzen WEg Richtung Autobahn nehmen, wollte ich aber nicht. In Herges-Hallenberg gings rechts weg auf die L1118 Richtung Springstille. Kurz vor Mittelstille biegt im spitzen Winkel eine Nebenstrasse über Christes ab. Die Kurven auf der Karte versprechen Spaß und das Höhenprofil zeigt einen spitzen kleinen Peak imVerlauf…  Also Blinker gesetzt und ab dafür. Die K2613 über Breitenbach und Christes nach Schwarza  ist wirklich geil. Bis Christes permanent bergauf, mal lange, mal enge Kurven – genial. Leider war die Strecke bei meinem Besuch gerade erst frisch asphaltiert worden. D.h. Tempo 50, ölig ausdünstende Oberflächen in der Sonne und reichlich Splitt in jeder Kurve. Da das nur ein temporäres Problem ist, empfehle ich diese Piste zum dynamischen Fahrvergnügen allen Kradfahrern bei einem Besuch in der Gegend (die Alternativen über die größeren Landstrassen sind aber auch gähnend langweilig…). Hinter Christes tauchen vermehrt Baustellenschilder auf…die in einer Vollsperrung der Strasse endeten. Kein Weiterkommen, Strasse komplett weg. Blieb nur umdrehen und wieder zurück.

Den Rest der Tour bis brauch ich nicht weiter auszuschmücken. Es waren mehrere Ortsdurchfahrten, langweilige Landstrassen und wenig bis keine Hügel mehr. Bis zur Autobahn hat sich das Bild nicht mehr geändert.

Die Tour war absolut genial. Im goldenen Herbst noch einmal so perfektes Bikerwetter zu haben ist selten. Mit Heimfahrt über wenig Autobahn und mehr Landstrasse standen 520 km mehr auf dem Tacho. DEr Thüringer Wald steht auf meiner Liste weiter ganz weit oben. Es gibt noch viele Ecken, die ich noch nicht unter die Räder genommen habe. Auffallend ist das entspannte Fahren. Kaum Autoverkehr und keine rücksichtslosen Zweiradheizer, wie man sie von sonnigen Wochenenden aus dem Odenwald oder Schwäbischen Wald (Löwenstein) kennt. Auf meiner Tour und auch noch bei späteren Fahrten durch den Thüringer Wald, ist mir bisher keine Streckensperrung vor die Nase gekommen. Das spricht dafür, dass sich die Zweiradbefahrung in dieser Gegend in Grenzen hält und man durchaus noch von einem „Geheimtipp“ sprechen kann.

Ich habe die Tour per Kamera festgehalten und auf zwei Filmchen verteilt zusammengeschnitten.  Sie sind hier bei Youtube zu finden:

Thüringen Rundtour Teil 1:  http://youtu.be/n4Yq5ujBbmw

 

Thüringen Rundtour Teil 2: http://youtu.be/rkTPSucqurA

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